Bewegungsgipfel – Was ist das eigentlich?

Der DOSB und die dsj haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Bewegungsgipfel in Berlin am 13. Dezember 2022 zusammengetragen.

Foto: Adobe Stock / famveldman
Foto: Adobe Stock / famveldman

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) und haben im März dieses Jahres in einem gemeinsamen Appell für einen Bewegungsgipfel gefordert, das Thema Bewegungsförderung zur Chef*innensache und ressortübergreifend auf allen politischen Ebenen zur Querschnittsaufgabe zu machen. 

Auf Einladung des Bundesministers für Gesundheit, Karl Lauterbach, und der Bundesministerin des Innern und für Heimat, Nancy Faeser, findet am morgigen Dienstag, den 13. Dezember 2022, der Bewegungsgipfel unter Beteiligung der Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Inneres (BMI), Gesundheit (BMG), Soziales (BMAS), Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Digitales und Verkehr (BMDV) und Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) statt.

Für den organisierten Sport werden Kerstin Holze (DOSB-Vizepräsidentin) und Stefan Raid (1. Vorsitzender dsj) an dem Bewegungsgipfel teilnehmen. In Vorbereitung auf den Gipfel haben DOSB und dsj zusammengefasst, welche Erwartungen sie an den Gipfel und für die Zukunft des Sports in Deutschland haben. 

Warum ist gerade das Thema Bewegungsförderung ein so dringendes, dass es einen eigenen, so kurzfristigen, Gipfel braucht?

Bereits DOSB-Präsident Thomas Weikert forderte im gemeinsamen Appell für einen Bewegungsgipfel Anfang des Jahres: „Wir müssen die Gesellschaft wieder in Bewegung bringen. Dafür bedarf es eines Paradigmenwechsels, der anerkennt, dass Bewegung und Sport unverzichtbar und von unschätzbarem Wert sind, sowohl für die Entwicklung von Kindern und jungen Menschen als auch für das Wohlbefinden und die Gesunderhaltung der erwachsenen Bevölkerung. Das kann nur funktionieren, wenn wir ressortübergreifend alle politischen Entscheidungsträger*innen an einen Tisch holen und im Rahmen einer Gesamtstrategie ein Bewegungsbündnis vereinbaren, das konkrete Maßnahmen in allen Bereich enthält.“

Zahlreiche Menschen in Deutschland leiden zunehmend unter Bewegungsmangel im Alltag und den physischen und psychischen Folgen. Jedes sechste Kind hat im Verlauf der Pandemie an Gewicht zugenommen, 6 % leiden an Adipositas und 31 % der Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren haben psychische Auffälligkeiten. Ein Drittel der älteren Menschen sowie über 80 % der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die WHO-Empfehlungen zum Mindestmaß an Bewegung.

Der Appell von dsj und DOSB und nun auch der Gipfel legen einen besonderen Fokus auf die Kinder und Jugendlichen des Landes. Warum braucht gerade diese Zielgruppe eine Hervorhebung?

„Die enormen Einschränkungen der vergangenen beiden Jahre und die messbaren Folgen machen es notwendig, dass das Thema Bewegung zur Chef*innen-Sache erklärt wird. Die Grundlage für ein aktives und sportliches Leben wird im Kindesalter gelegt. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen dafür ausreichend Sport- und Bewegungsräume mit vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten in allen Settings ihrer Lebenswelten. Dafür bedarf es einer Weiterentwicklung klassischer Sportstätten, eine sportfreundliche, bewegungsaktivierende, barrierefreie und nachhaltige kommunale Sport- und Bewegungsrauminfrastruktur für alle Bevölkerungsgruppen und eine Anerkennung der Relevanz von Bewegung und Sport als Grundlage für das gesunde Aufwachsen“, stellte schon Stefan Raid, 1. Vorsitzender der dsj, im Appell für einen Bewegungsgipfel fest. 

Acht Bundesministerien, eine Beauftragte der Bundesregierung, zwei kommunale Spitzenverbände und zwei Fachministerkonferenzen der Länder kommen morgen in Berlin zusammen. Ist damit die Forderung des Appells erfüllt? 

Ja, denn sowas ist noch nie dagewesen! Für den Sport ist es daher ein großer Schritt und ein voller Erfolg. Nun ist es wichtig, dass es konkrete Ergebnisse gibt, die dann auch tatsächlich im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Wir freuen uns sehr, dass so viele Ministerien und weitere Akteuer*innen der Zusammenarbeit zugestimmt haben und bereit sind, gemeinsam an einem bewegungsfreundlicheren Deutschland zu arbeiten. Schön wäre es gewesen, auch das Ministerium für Bildung und Forschung am Tisch zu haben.

Was sind aus Sicht von dsj und DOSB die Ziele des morgigen Gipfels?

Unser Wunsch ist es, dass alle beteiligten Akteur*innen klare Selbstverpflichtungen abgeben, und wir uns gemeinsam darauf verständigen, an welchen Stellen Bewegungsförderung in den kommenden Jahren mitgedacht wird und Maßnahmen erarbeitet werden. Und dann müssen diese Verpflichtungen natürlich auch eingehalten, weiterentwickelt und umgesetzt werden. Das gelingt, wenn alle den Bewegungsgipfel als Auftakt verstehen. Am Nachmittag, nach dem morgendlichen Gipfel, findet die Auftaktveranstaltung zur Erarbeitung eines Entwicklungsplans Sport statt. Wenn dort der Bund, die Länder und Kommunen den Worten Taten folgen lassen und diesen gemeinsam mit uns und weiteren Stakeholdern des Sports aktiv mitgestalten, dann ist ein großer Schritt getan.

Es wird kritisiert, dass „der Sport“ beim Gipfel zu wenig involviert ist. Stimmt das? 

Definitiv nein! Unser Anliegen ist es, dass das Thema Bewegung ressortübergreifend gedacht wird. Damit ist der Sport dann eben nicht alleine im Raum, sondern viele andere Akteur*innen mit ihm. Wir wollen erreichen, dass zukünftig nicht nur einzelne politische Fachressorts Einzelmaßnahmen durchsetzen, sondern Bewegungsförderung als ressortübergreifende Gesamtlösungen gedacht wird.

Kerstin Holze (DOSB-Vizepräsidentin) und Stefan Raid (1. Vorsitzender dsj) werden am Gipfel teilnehmen. Was bringen DOSB und dsj explizit ein?

Der DOSB wird als Interessenvertreter die Positionen des Sports bei der Erarbeitung des im Koalitionsvertrag angekündigten Entwicklungsplans Sport einbringen. Dafür haben wir mit unseren Mitgliedsorganisationen ein Eckpunktepapier als Grundlage erarbeitet. Die Gipfelergebnisse und die Verbesserung der Voraussetzungen für den „Sport für alle“ sollen vor allem mit Hilfe der rund 87.000 Sportvereine in die konkrete Umsetzung gebracht werden. Der DOSB wird 2023 eine Bundeskonferenz Sportentwicklung durchführen und einen Think Tank und Innovations-Panel „Vereins- und Sportentwicklung“ aufbauen. Dort werden Daten analysiert, Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten ausgelotet und bestmögliche Voraussetzungen für Sport und Bewegung unterstützt. Die Ergebnisse des Bewegungsgipfels und des Entwicklungsplans Sport setzen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen systematisch und nachhaltig um.

Die dsj schafft gemeinsam mit ihren Mitgliedsorganisationen Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche und setzt sich darüber hinaus für bessere Rahmenbedingungen von Bewegung und gesundem Aufwachsen ein. Dabei sollen auch qualitativ hochwertige Bewegungsangebote an und in Kooperation mit Kindertagestätten und Grundschulen sichergestellt werden. Die dsj setzt sich außerdem gemeinsam mit ihrem Forschungsverbund für eine wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen von Bewegung auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ein und berücksichtigt dabei die aktuellen Ergebnisse zentraler Studien zu den Auswirkungen der Coronapandemie.

Geplant ist eine gemeinsame Gipfelerklärung. Wie geht es damit dann weiter?

Mit der Umsetzung. Konkrete Maßnahmen wurden und werden bereits eingeleitet. Die Arbeit am Entwicklungsplan Sport und beim „Runden Tisch Bewegung und Gesundheit“ sind erste Schritte in Sachen Strategie für mehr Sport und Bewegung: Hier dürfen wir, hier darf die Bundesregierung nun aber nicht stehen bleiben. Jede*r Akteur*in muss nun die genannten Punkte aus der Gipfelerklärung für den eigenen Arbeitsbereich umsetzen. Als dsj wollen wir uns natürlich stark für den Kinder- und Jugendsport einsetzen. Dazu gehört, dass Trainer*innen, Übungsleiter*innen und Engagierte unterstützt werden. Sie sind die wichtigsten Multiplikator*innen dafür, dass Kinder und Jugendliche im Sport stärkende Erfahrungen machen und nachhaltig für Sport und Bewegung begeistert werden. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, dann kann der Bewegungsgipfel ein guter Auftakt dafür sein, Deutschland zu einem bewegungsfreundlicheren Land zu machen.

Die Gipfelerklärung „Gemeinsam für mehr Bewegung und Sport

(Quelle: DOSB / dsj)


  • Foto: Adobe Stock / famveldman
    Foto: Adobe Stock / famveldman